Ideen im Schlüsselprozess InnovationJede Innovation entsteht aus einer Idee. Letztere sind im Wesentlichen Ergebnisse aus kreativen oder rationalen Denkprozessen von Individuen oder Gruppen in Organisationen Mitglieder, Mitarbeiter, Forschungs- und Entwicklungs-Teams oder dem weiteren Umfeld Kunden, Lieferanten, Hochschulen. Organisationen und im speziellen Unternehmen, die sich mit vielen Ideen auseinandersetzen, haben bessere Chancen hinsichtlich einer erfolgreichen Zukunft, als solche die sich mit wenigen Ideen befassen. Die Auseinandersetzung mit zahlreichen Ideen bedeutet eine bessere Ausnutzung des Wissenspotenzials und den damit verbundenen Kernkompetenzen. Die intensivere Auseinandersetzung mit Ideen stärkt die Schlüsselkompetenzen, da Probleme und Lösungsverfahren häufiger zusammengebracht werden und so starke Trainingseffekte hinsichtlich der Anwendung von Denkstilen, Kreativitätstechniken und Problemlösungsmethoden entstehen. Darüber hinaus entsteht ein besseres internes Klima, da Ideen nur in offenen Kommunikationssystemen und fehlertoleranten Führungsstrukturen entstehen können. Die Auseinandersetzung mit Ideen sowie deren Weiterentwicklung findet in der Regel im Innovationsprozess statt. In diesem wird die Transformation der Ideen zu erfolgreichen Innovationen systematisch abgearbeitet. Je nach Größe des Unternehmens ist dieser Prozess mehr oder minder komplex gestaltet. Im ersten Stadium des Innovationsprozesses versuchen erfolgreiche innovative Unternehmen, einen stetigen Fluss an Ideen vor dem Start von Innovations-Projekten zu erzeugen. In Übereinstimmung mit der empirischen Forschung über die Erfolgfaktoren von Innovationen [1, 2] sind Gestaltungsmaßnahmen in den sehr frühen Stadien des Innovationsprozesses Fuzzy Front End, Konzeptfindungsphase, Ideenmanagement usw. sehr entscheidend dafür, dass aus einer Idee eine erfolgreiche Innovation wird. Bei der systematischen Gestaltung der ersten Phase des Innovationsprozesses hat man jedoch mit einem schwerwiegenden Dilemma zu kämpfen. Es gilt, eine ausgewohnte Balance zwischen kreativer Freiheit bei der Ideengenerierung und einem systematischen Vorgehen bei der Katalogisierung, Vorauswahl und Bewertung von Ideen zu finden. In einigen Unternehmen ist dies gelungen, so dass dort mit Ideenpipelines in den meisten Fällen computergestützt sehr erfolgreich gearbeitet wird Entsprechend der Entscheidungstheorie müssen Ideenpipelines bei der Transformation von Erstideen in durchführbare Projekte in der Lage sein, die Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Erfolgsaussichten von Ideen zu reduzieren. Manager können bei hoher Unsicherheit nicht entscheiden, wie man die F&E-Etats, Laborkapazitäten oder Personalressourcen verteilen soll. Entscheidungen, die auf der Basis von vagen Ideen getroffen werden, führen zwangsläufig zur sinnlosen Verschwendung von Ressourcen. Allerdings kann auch das beste Ideenmanagement ein letztes Restrisiko nie ausschließen. Intensivere Betrachtungen und Informationen über Ideen sind notwendig, um die Qualität solcher Entscheidungen zu verbessern. Eine hohe Qualität bei der Ausgangsentscheidung für Innovationsprojekte hat einen positiven Einfluss auf die Qualität des gesamten Innovationsprozesses eines Unternehmens und erhöht die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Ergebnisse aus diesem Prozess. Basierend auf den Resultaten der empirischen Studien sowie auf der oben geschilderten Argumentation über die Reduzierung der Unsicherheit, investieren erfolgreiche innovative Unternehmen im ersten Teil ihres Innovationsprozesses Ideenmanagement, Fuzzy Front End in intellektuelle Ressourcen Abbildung 1. Hauptphasen des Innovationsprozesses und ihre Ergebnisse In den meisten Unternehmen ist jedoch eine stärkere Fokussierung auf den zweiten Teil des Innovationsprozesses, in dem es zum Einsatz und Verzehr materieller Ressourcen kommt, festzustellen. Da der Verbrauch materieller Ressourcen und dessen Verhältnis zu den erzielten Einnahmen nach wie vor die übliche Messlatte zur Beurteilung von Managementleistungen ist, erscheint diese Fokussierung logisch. Zumal sich so auch sehr schnell Erfolg nachweisen lässt. Verstärkt wird dieser Fokus zudem dadurch, dass im zweiten Teil des Innovationsprozesses zahlreiche effiziente Managementinstrumente zur Verfügung stehen, die zu klaren und eindeutigen Ergebnissen führen. Der Verzehr intellektueller Ressourcen in den frühen Phasen des Innovationsprozesses ist weniger eindeutig zu erfassen und zu bewerten. Die Ergebnisse solcher Inputs werden als vage, unklar, verschwommen und unscharf »fuzzy« erachtet. Das alles führt im Ideenmanagement zu einer Diskussion, deren extreme Ausgangspunkte sich wie folgt beschreiben lassen. Einerseits wird argumentiert, dass das »Fuzzy Front End« absolut »fuzzy« bleiben muss, weil nur so ein kreativer Input in den Innovationsprozess eingebracht werden kann. Nach dem Verständnis der Vertreter dieses Standpunkts haben Kreativität und das Auftauchen origineller Ideen nur in einem absolut freien und mehr oder wenig chaotischem Umfeld eine Chance. Eine systematische Strukturierung gilt hemmend hinsichtlich der Suche nach Neuheiten. Diese, ziemlich extreme, Position lässt sich am ehesten als der »Fantasieweg zur Innovation« bezeichnen. Am anderen Ende der Skala stehen jene Vertreter, die glauben, dass Innovation durch Computer und Datenspeicher erzeugt werden kann. Sie möchten alle relevanten Informationen, Erfahrungen und Wissen zusammentragen, um diese in einem computergestützten Prozess einzubringen. Nach ihrer Vorstellung lassen sich Innovationen am schnellsten und einfachsten durch das Drücken von ein paar Tasten auf dem Computer erzeugen. Diese Vorgehensweise ist der »technokratische Weg zur Innovation«. Beide Wege sind zu extrem und zum Scheitern verurteilt. Einerseits ist Ideengenerierung ohne irgendeinen Fokus und ohne Systematik für Firmen sinnlos. Andererseits sind Maschinen und Roboter nicht in der Lage, bestimmte kreative Funktionen des menschlichen Gehirns zu kopieren. Die Wahrheit für die Gestaltung eines erfolgreichen Fuzzy Front End liegt wohl in der Mitte und wird eine Kombination aus beiden Wegen sein. Die folgenden Abschnitte beschreiben einfache Prozesse und Anforderungen für ein erfolgreiches Ideenmanagement, die im Wesentlichen aus einem Benchmark der Ideenmanagement-Systeme in einigen Unternehmen abgeleitet wurden. Der strukturierte Ideenfluss eine Voraussetzung für ein erfolgreiches InnovationsmanagementInnovationen sind erfolgreich, wenn: - die Ideen frühzeitig an strategischen Zielen des Unternehmens ausgerichtet werden,
- dem Kunden ein deutlicher neuer Nutzen geboten wird,
- die Konzeptfindungsphase Ideenmanagement, Phase vor der Projektentscheidung strukturiert ist und systematisch durchgeführt wird.
Die Stufen eines erfolgreichen Innovationsmanagement Empirische Studien haben gezeigt, dass der zuletzt genannte Erfolgsfaktor nicht genügend Beachtung findet. Die Schritte vor dem Start von F&E-Projekten bleiben diffus und unscharf: Ideensammlung und Ideenfluss sind nicht geregelt, Entscheidungskriterien sind nicht festgelegt, die Kompetenzen sind unklar. Man spricht vom »Fuzzy Front End« des Innovationsprozesses [3]. Eine fehlende Methodik, Systematik und Struktur zu Beginn des Innovationsprozesses beeinträchtigt das Innovationsmanagement eines Unternehmens erheblich: - Eine strategische Ausrichtung der Innovationen ist nicht möglich oder erfolgt zu spät.
- Eine frühe Selektion unterbleibt. Aussichtslose Ideen bleiben zu lange in der Diskussion. Physische und emotionale Ressourcen werden vergeudet.
- Wertvolle Zeit geht verloren.
- Es fehlt an Transparenz über den Innovationsnachschub.
- Eine Optimierung des Innovationsprozesses ist nicht möglich. Es finden keine Lernprozesse im Hinblick auf eine Verbesserung der Vorgehensweisen statt.
Dass die Konzeptfindungsphase strukturiert werden kann, ohne kreativ- und initiativenhemmend zu wirken, zeigen Erfahrungen in erfolgreich innovierenden Unternehmen. Die Phase von der zentralen Ideensammlung bis zur Genehmigung des F&E-Projektes ist so zu strukturieren, dass einerseits eine offene Ideenfindung unter Nutzung verschiedenster Ideenquellen möglich ist. Bei der Ideenfindung überwiegt das divergente Denken, das zu zahlreichen und ergebnisoffenen Alternativen führt. In den nachfolgenden Phasen wird weitestgehend mit konvergentem Denken zielführend ein bestimmtes Ergebnis angestrebt. Kleinere Zyklen mit kreativem Problemlösen divergenten Denkansätzen sind hierbei jedoch nicht ausgeschlossen. [Die Leseprobe endet hier] |