Innovation-Aktuell
Innovation durch Smartphone & Co
Die neuen Geschäftspotenziale mobiler Endgeräte     
Kreative Prozesse und mobile Technologien in Verlagen
 
Christoph Bläsi; Axel Kuhn
 

Die Entwicklung mobiler Technologien betrifft insbesondere Unternehmen der Informations- und Kommunikationsindustrie, da diese heute meist digitalisierte Daten verarbeiten. Der Beitrag stellt die besondere Rolle kreativer Prozesse in Verlagen und deren Unterstützung durch mobile Technologien vor.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Einsatzgebiete mobiler Technologien in Verlagen möglich sind,
  • welche Bedeutung Kreativität und Innovation in der Wertschöpfung von Verlagen haben,
  • wie kreative Prozesse in Verlagen durch Smartphones unterstützt werden können.

 

Vorbemerkungen

Die Verbreitung universeller Computertechnologie und digitalisierter Information sowie deren Vernetzung hat potenziell grundlegende Auswirkungen auf Strukturen und Prozesse von Verlagen. Die Digitalisierung ermöglicht eine Informationsverarbeitung weitgehend ohne Medienbrüche sowie neue Arten der Informationserzeugung, -verarbeitung, -speicherung und -distribution. Parallele Leistungssteigerungen in den Bereichen Rechenkapazität, Komprimierungs- und Speicherverfahren sowie Übertragungsmöglichkeiten ermöglichen angesichts weitestgehend digitalisierter Information veränderte und neue Geschäftsprozesse.

Für Verlage kann die fortschreitende Digitalisierung eine Content-Erzeugung und -Bündelung sowie zum Teil auch -Distribution ohne Medienbrüche bedeuten. Vom Autor bis zur Druckform können Printprodukte komplett digital erstellt werden, was insbesondere die Kommunikation zwischen Autor, Lektorat/Redaktion, Herstellung und externen Dienstleistern wie Druckereien effizienter machen kann. Für Produkte mit expliziten Unterstrukturen wie beispielsweise Nachschlagewerke sowie für solche, die für eine Verwertung in vielen verschiedenen Formen vorgesehen sind, ist dabei der Einsatz von Content-Management-Systemen typisch. Diese unterstützen das Asset Management, also die Verwaltung der für Verlage wertvollen »Assets« wie Texte und Bilder, und die Workflow-Steuerung zum Beispiel in Hinsicht auf Zuständigkeiten und Rechte der beteiligten Mitarbeiter. Dass man es im Spezialfall digitaler Produkte wie zum Beispiel E-Books auch in der Verlagsbranche mit volldigitalisierten Workflows völlig ohne Medienbrüche zu tun hat, versteht sich von selbst. Auch in der nachgelagerten Wirtschaftsstufe des verbreitenden Buchhandels haben moderne Informations- und Kommunikationstechnologien Einzug gehalten: »Die nachrichtentechnische Ausstattung der Buchhandlung ist von Bedeutung für den Fluss der Informationen sowohl innerhalb des Hauses als auch im Verkehr mit Kunden, Lieferanten und sonstigen Geschäftspartnern.« [13]

Zunächst nicht erfasst wurden von diesen Entwicklungen viele kreative Kernprozesse von Verlags- wie auch anderen Medienunternehmen, da diese wesentlich durch die individuelle Schaffenskraft von Personen bestimmt sind und durch Technologien zumindest auf den ersten Blick nicht wesentlich unterstützt werden können. Nicht betrachtet wird hier der kreative Prozess des Schreibens selbst, der jedoch in der Buchbranche im typischen Fall von Autoren außerhalb der Medienorganisation erledigt wird. Eine Ausnahme könnten hier Technologien darstellen, die im Rahmen solcher Prozesse Anregungen speichern können sowie die Ideendokumentation und -kommunikation verbessern helfen. Solche Technologien müssen typischen Rahmenbedingungen menschlicher Kreativitätsleistungen angepasst sein. Das heißt, sie müssen vor allem ubiquitär verfügbar sein und eine möglichst »transparente«, den eigentlichen Prozess nicht beeinflussende, also notwendigerweise unkomplizierte Bedienung erlauben. Die Entwicklung mobiler Technologien hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, was sich nicht zuletzt in immer leistungsfähigeren Smartphones und auch Tablet PCs widerspiegelt, die in Kombination mit den verfügbaren zuverlässigen Breitband-Mobilfunk-Verbindungen in solchen Kontexten nutzbringend eingesetzt werden können. Davon kann gerade auch in Verlagen Gebrauch gemacht werden.

»Die weitere Konvergenz von Technologiewelten, die Kombination von offener Internetwelt mit uneingeschränkter Mobilität wird zu einer starken Integration, Flexibilisierung und Beschleunigung bei der Entwicklung neuer Lösungen für die Wirtschaft und den privaten Bereich führen.« [4]

Der Beitrag bringt die Entwicklung mobiler Technologie auf der einen und Prozesse um die Ideenfindung in Verlagen auf der anderen Seite zusammen.

Möglichkeiten und Grenzen mobiler Prozessunterstützung

Die Bestimmung von Innovationspotenzialen in Verlagen durch mobile Technologien hängt wesentlich von den eingesetzten Geräten selbst ab. »Mobil« bezeichnet in seiner sprachlichen Dimension Bewegung oder Beweglichkeit. Mobilität kann hierbei in unterschiedlichen Ausprägungen für Endgeräte bestimmt werden. Zum ersten müssen betrachtete Geräte eine physische Mobilität aufweisen, das heißt, die Geräte selbst sind beweglich, und zwar in einer Form, die es möglich macht, diese relativ leicht Gewicht, Größe und gefahrlos Empfindlichkeit mitzunehmen. Mobilität im Zusammenhang mit Technologie erschließt sich zugleich in einer virtuellen Dimension. Mobilität steht hier für den barrierefreien Zugang zu Information und Kommunikation, was für kreative Tätigkeiten eine essentielle Voraussetzung darstellt.

Mobile Technologien bezeichnen also alle Geräte, die auf mobiler Computertechnologie beruhen und in ihrer Nutzung frei beweglich sind. Betrachtet werden sollen hier vor allem die mobilen Technologien, die sich in ihren Funktionen stationären Personal Computern annähern beziehungsweise deren Funktionen erweitern. Eine echt mobile Nutzung wird durch die Geräte-Klasse der Smartphones gewährleistet zwar wird eine ortsunabhängige Nutzung flächendeckend auch durch Notebooks, Netbooks und Tablets möglich, diese Geräte sind jedoch nur bedingt echt mobil nutzbar, da sie zumeist einen festen Standort benötigen. Smartphones zeichnen sich dadurch aus, dass sie Telekommunikationstechnologie mit Computertechnologie verbinden und sowohl mobile Kommunikationsgeräte als auch mobile Taschencomputer darstellen. Sie eignen sich somit zum Telefonieren, für Messaging per SMS, MMS oder E-Mail, zur Büroorganisation über verschiedene Termin-, Kontakt- oder Notizanwendungen, zum Zugriff auf Netzwerke, zur Datenverarbeitung oder für multimediale Anwendungen wie beispielsweise Kamera- und Tonaufzeichnungsfunktionen oder Abspielmöglichkeiten.

Um die Möglichkeiten der Prozessunterstützung durch mobile Technologien besser einschätzen zu können, wurden Experten aus Wissenschaft und Praxis gebeten, die Relevanz technischer Funktionen von mobilen Endgeräten in ihrem Nutzen für Aufgaben im Verlag einzuschätzen. Die so erhobenen relevanten Meinungen und Ansichten hinsichtlich der Einsatzbereiche mobiler Technologien in Verlagen werden im Folgenden auszugsweise angeführt.

Im Sinne der mobilen Nutzung erscheinen den Experten hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und eine breite Netzkompatibilität der Geräte unbedingt notwendig. Die weitere Verbesserung der Übertragungsgeschwindigkeit und die Standardisierung des Netzzugangs sind demnach die wichtigsten Voraussetzungen für eine verstärkte Nutzung von mobilen Technologien in Verlagen. Besonders im Hinblick auf die Übertragung von Prozessen von stationären auf mobile Geräte erscheint den Befragten zudem die technische Leistung insbesondere Rechen- und Speicherleistung, Displayqualität der mobilen Endgeräte von entscheidender Bedeutung. Die Leistungsentwicklung mobiler Technologien kann somit direkt mit der Nutzungshäufigkeit für Prozesse assoziiert werden. »Ohne eine maximale Erreichbarkeit ist dies realistischerweise nicht zu verwirklichen.« [23]

Hinsichtlich der Bedienungselemente wird insbesondere eine vollwertige Tastatur als notwendig erachtet. Informations- und Kommunikationsprozesse in Verlagen sind oft auf die Eingabe von Textpassagen angewiesen, eine einfach zu bedienende Tastatur ist deshalb eine unabdingbare Voraussetzung. Die Berührungssteuerung der Geräte wird insbesondere von den Experten aus der Praxis gefordert. Gerade für kreative Prozesse erscheint eine intuitive Steuerung im Sinne der schnellen Dokumentation von Ideen geeigneter.

Allgemeine Einsatzgebiete mobiler Technologien im Verlag

Auch mobile Technologien sind nicht Selbstzweck, sondern dienen spezifischen Funktionen, die sich über die Wertschöpfungskette von Verlagen ergeben. Dies bedeutet insbesondere, dass mobile Technologien dort eingesetzt werden können, wo bereits an Prozessinnovationen gearbeitet wird und diese durch deren Einsatz erleichtert oder erst ermöglicht werden können. »IT-Lösungen müssen immer derart konzipiert sein, dass sie den gewünschten Prozess effizienter machen. Dazu sind möglichst einfache und nachvollziehbare Lösungen notwendig.« [9]

»Die Informationstechnologie an sich nimmt hierbei bezüglich der Innovation keine Sonderrolle im Unternehmen ein, sondern ist vielmehr integraler Bestandteil des auf Wertsteigerung ausgerichteten unternehmerischen Handelns aller Funktionen. Im Vordergrund steht dabei stets das Produkt, die Dienstleistung beziehungsweise der Prozess. Die Informationstechnologie ist Mittel zum Zweck für die Produkte, Dienstleistungen und Unternehmensprozesse im Sinne einer grundlegenden Befähigungstechnologie.« [27]

Mobile Technologien werden somit zum einen als technische Artefakte mit spezifischen Möglichkeiten der Eingabe, Ausgabe, Übertragung und Speicherung von Informationen, zum anderen als funktionale Geräte zur Kommunikation zwischen Kommunikatoren betrachtet. Über die Nutzung durch Personen werden technische Funktionen instrumentalisiert und erhalten somit einen spezifischen Nutzen. Dieser konstituiert sich in Prozessen innerhalb des Verlags, beispielsweise über Kosteneinsparungen, Zunahme der Geschwindigkeit, höhere Qualität, weniger Fehler et cetera, zusammengefasst als Produktivitätssteigerungen und/oder Serviceverbesserungen. Mobile Technologien stellen somit ökonomisch relevante, zielgerichtete Anwendungen dar, denen spezielle Aufgaben zugeteilt werden.

»Eine Prozessinnovation richtet sich im Falle von Sachleistungen zunächst an die Organisation selbst und stellt eine neue Kombination im betrieblichen Leistungserstellungsprozess dar. Die Konsequenzen aus dieser Art von Innovation können kosten- und/oder qualitätsbezogen sein.« [10]


[Die Leseprobe endet hier]
PDFKreative Prozesse und mobile Technologien in Verlagen
31 S. € 15,50

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Christoph Bläsi

Christoph Bläsi Prof. Dr., absolvierte nach der Ausbildung zum Programmierer/Systemanalytiker ein Studium der Germanistik, Mathematik und Allgemeinen Sprachwissenschaft in Freiburg und Brighton, U.K. Nach seiner Beschäftigung als Wissenschaftlicher Angestellter/Assistent im Bereich Computerlinguistik an den Universitäten Heidelberg und Bielefeld übte er leitende Tätigkeiten im digitalen Publizieren und im Informationsmanagement verschiedener deutscher Verlage aus. Seit 2004 hat Herr Bläsi eine Professur für Buchwissenschaft zunächst an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und seit 2009 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne.
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Axel Kuhn

Axel Kuhn Dr., studierte Theater- und Medienwissenschaft, Soziologie und Buchwissenschaft und promovierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Von 2008 bis 2010 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Buchwissenschaft in Erlangen im Rahmen des BMBF-Projekts »2nd-Product-Lifecycle-Strategien für Hightech-Geräte zur Steigerung der Innovationsfähigkeit kleiner und mittelständischer Organisationen«. Seit 2010 ist Dr. Kuhn als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Buchwissenschaft in Mainz tätig.
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