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Der Stellenwert der TRIZ-Methodik
 
Carsten Gundlach; Robert Ulbricht
 

TRIZ ist ein Methodenset, mit dessen Hilfe systematisch Innovationen entwickelt werden können. Die hier vorgestellte internationale Umfrage untersucht Verbreitung, typische Einsatzbereiche, Leistungsmerkmale und Methodenelemente von TRIZ.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Konzeption der hier vorgestellten internationalen Umfrage zugrunde liegt,
  • wie Unternehmen die Bedeutung der TRIZ-Werkzeuge für den Innovationsprozess einschätzen,
  • welche Strategien sie zur Unterstützung der TRIZ-Einführung nutzen.

 

Einführung

Der Anwendungsschwerpunkt der auf Patentanalysen basierenden Theory of Inventive Problem Solving TRIZ ist bisher zweifellos im Ingenieurbereich zu sehen. Die große Anzahl von Unternehmen, die mittlerweile TRIZ zur Unterstützung ihrer Innovations- und Problemlösungsprozesse einsetzen, spricht für den Nutzen der Methode. Auch die bekannten Fälle erfolgreicher Anwendungen von TRIZ bei Problemstellungen außerhalb der Technik so zum Beispiel das Lösen von Managementproblemen oder die Entwicklung von Serviceideen nehmen kontinuierlich zu, stellen aber in der Praxis noch immer ein relativ neues und vergleichsweise wenig entwickeltes Themengebiet dar.

Um einen Überblick hinsichtlich der Verbreitung und Bedeutung von TRIZ sowohl im traditionellen technischen Bereich als auch für die neuen nichttechnischen Anwendungen zu schaffen, wurde unter diesem Gesichtspunkt eine internationale Kurzumfrage durchgeführt. Die daraus resultierenden Ergebnisse bilden die Grundlage dieses Beitrags und sollen im Folgenden ausführlich dargestellt werden.

Konzeption und Durchführung der Datenerhebung

TRIZ ist im Vergleich zu anderen Problemlösungs- und Kreativitätsmethoden noch immer relativ wenig bekannt und verbreitet. Daher musste für die geplante Untersuchung von einem insgesamt geringen Rücklauf ausgegangen werden. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass viele Unternehmen nur eingeschränkt zu Auskünften bezüglich erfolgskritischer Themen wie Innovationsverhalten und F&EStrategie bereit sind. Das Risiko, dadurch entscheidende Wettbewerbsvorteile preiszugeben, ist zu hoch. Aus diesem Grund erfolgte die Datenerhebung mittels eines HTML-basierten Onlineformulars. Auf das Versenden direkt adressierter Fragebögen wurde verzichtet.

Dieses Vorgehen erschien insofern vorteilhafter, da es die Anonymität der Teilnehmer garantiert und sich die Rücklaufzeit der Antworten merklich verringert. Des Weiteren konnte so eine bedeutend höhere Anzahl von TRIZ-Anwendern erreicht werden, als dies mit der schriftlichen Umfrageform möglich gewesen wäre. Der Nachteil der Online-Variante besteht in der fehlenden Möglichkeit zur Kontrolle von Integrität und Herkunft der Daten. Ein frei im Internet zugängliches Formular ist für jede Person beliebig oft verwendbar, wodurch interessenbedingte Manipulationen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden können. Die ermittelten Ergebnisse können daher auch nicht als empirisch belegt angesehen werden, sondern zeigen hauptsächlich vorherrschende Tendenzen und Meinungen zum Thema auf.

Der Fragebogen enthielt insgesamt 17 Fragen, welche drei Themenblöcken zugeordnet wurden:

  • TRIZ im klassischen Anwendungsbereich,
  • persönliche Erfahrungen mit der Methode und schließlich
  • Fragen in Bezug auf nichttechnische Anwendungsmöglichkeiten.

Als Zielgruppe wurden, bedingt durch die Verbreitungsmöglichkeiten, vor allem die TRIZ-Anwender im deutschen Sprachraum definiert. Um jedoch möglichst viele weitere Personen zur Teilnahme zu animieren, wurde sowohl eine deutsche als auch eine englische Fassung bereitgestellt. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die in der Übersetzung verwendeten, leicht voneinander abweichenden Formulierungen bei einem direkten Vergleich der Aussagen aus beiden Versionen eventuell zu leichten Verzerrungen der Ergebnisse führen.

Die Verbreitung des Fragebogens erfolgte hauptsächlich über die Veröffentlichung entsprechender Hinweise auf das Projekt bei TRIZ Online und in der Ausgabe des TRIZ Journals vom Mai 2002. Die registrierten Nutzer beider Dienste wurden zusätzlich über Mailings direkt von der Umfrage in Kenntnis gesetzt. Außerdem wurden diverse andere, zum Thema TRIZ publizierende Stellen kontaktiert und um Unterstützung bei der Verbreitung des Vorhabens gebeten so unter anderem die Unternehmen Ideation International und Invention Machine sowie das QFD Institut.

Auswertung der Ergebnisse

Stichprobenumfang

Der Umfang der Stichprobe beträgt 80 Datensätze, wovon 50 Einträge aus der deutschen und 30 aus der englischen Fragebogenversion stammen. Die erzielte Rücklaufquote kann nur sehr grob geschätzt werden. Als Grundlage für die Bemessung sollen die Seitenabrufe des TRIZ Journals dienen. Diese bewegen sich um die 25.000 pro Monat, wobei davon insgesamt etwas über 500 Zugriffe aus dem deutschsprachigen Raum Deutschland, Österreich und Schweiz erfolgen [1]. Da in dieser Zahl auch Mehrfachabrufe enthalten sind, darf von einer sehr geringen Grundgesamtheit ausgegangen werden. Somit ist die erhaltene Stichprobe n = 50 zumindest für diesen Sprachraum als repräsentativ zu werten. Für den internationalen Bereich ist sie mit n = 30 jedoch verschwindend gering.

Teilnehmerstruktur

Der überwiegende Anteil 78,8 Prozent der erhaltenen Antworten stammt von Vertretern im west- und mitteleuropäischen Raum ansässiger Unternehmen. Eine zweite Gruppe bildet Nordamerika, mit nur 11,3 Prozent allerdings wesentlich kleiner. Asien, Australien und Osteuropa die Ursprungsregionen von TRIZ sind mit einigen vereinzelten Antworten stark unterrepräsentiert. Die Regionen Afrika und Südamerika waren nicht vertreten. Wegen dieser starken Polarisierung kann bei den vorliegenden Daten von einer vorwiegend europäischen Sichtweise ausgegangen werden. Eine Untersuchung von regional unterschiedlichen Meinungen oder Tendenzen war dadurch leider nicht möglich.

Abb. 1:

Teilnehmer nach Branchen

Die Selbstauskunft zur Branchenzugehörigkeit der Teilnehmer ergab einen Anteil von fast zwei Dritteln für Betriebe, deren Geschäftstätigkeit dem technischen Bereich zugeordnet werden kann. Dabei handelt es sich vor allem um Automobil-, Konsumgüter-, Elektrotechnik-, Chemie- und Maschinenbauunternehmen. Die mit insgesamt nur 18,8 Prozent vertretenen Mitarbeiter der als nicht technisch orientiert eingestuften Unternehmen kamen zumeist aus der Beratungsbranche. Dem Dienstleistungssektor ordneten sich nur 3,8 Prozent aller Befragten zu. Traditionelle Branchen wie Handel, Finanzdienstleistungen oder Versicherungen waren nicht vertreten. Dem Forschungs- und Bildungsbereich wurde eine gesonderte Stellung eingeräumt, da hier keine eindeutige Trennung nach technischen oder nichttechnischen Schwerpunkten möglich ist. Ein geringer Anteil von 6,3 Prozent konnte sich keinem der mit dem Branchenspiegel vorgegebenen 30 Geschäftsbereiche zuordnen.

Bei der Betrachtung der Betriebsgrößen konnte kein eindeutiger Zusammenhang zwischen diesem Einflussfaktor und der Verbreitung von TRIZ festgestellt werden. So waren unter den Teilnehmern kleine und mittelständige Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern nur geringfügig stärker vertreten als die zweitgrößte Gruppe der Großbetriebe mit über 5.000 Angestellten. Alle anderen Unternehmensklassen, mit Ausnahme der Firmen unter 100 Mitarbeitern, sind annährend gleich verteilt. Demnach kommt keiner Gruppe eine besondere Stellung bei der Thematisierung von TRIZ zu. Verbreitung und Anwendung der Methode sind weitestgehend unabhängig von der Unternehmensgröße.

Abb. 2:

Teilnehmer nach Unternehmensgröße

Bedeutung der einzelnen Werkzeuge

Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage nach der praktischen Bedeutung und Verbreitung der einzelnen TRIZ-Werkzeuge. Das von 76,3 Prozent der befragten Personen und damit mit Abstand am häufigsten eingesetzte Element ist die Widerspruchsanalyse, wobei an dieser Stelle keine Unterscheidung von technischen und physikalischen Widersprüchen vorgenommen wurde. Ebenfalls sehr weit verbreitet sind Problem-Formulierung 58,8 Prozent, Innovations-Checkliste 55,0 Prozent und das Prinzip der Idealität 52,5 Prozent. Alle übrigen Werkzeuge werden von weniger als der Hälfte der TRIZ-Anwender eingesetzt. Die Gesamtzahl der Nennungen ergibt außerdem, dass jede Person durchschnittlich nur 4,3 der 12 genannten Elemente nutzt. Am seltensten sind dies Operator MZK, Zwerge-Modell und der Algorithmus ARIZ. Gerade bei ARIZ sind die hohe Komplexität des Verfahrens und die zur Durchführung notwendige Beherrschung von mehreren verschiedenen Tools als Ursachen für dieses Ergebnis zu vermuten.

Abbildung 3 zeigt eine Gegenüberstellung dieser Zahlen mit den Angaben zu potenziellen Einsatzmöglichkeiten der Werkzeuge in nichttechnischen Anwendungsbereichen. Auch da stehen Problem-Formulierung, Idealität, Widerspruchsanalyse und Innovations-Checkliste an erster Stelle, lediglich in veränderter Reihenfolge. Die Problem-Formulierung gewinnt dabei sogar an Bedeutung, genau 70 Prozent der Befragten können sich vorstellen, mit diesem Tool auch technikfremde Aufgaben zu lösen. Eine ähnliche Aufwertung ist bei der Ressourcenanalyse zu beobachten, welcher mit 41,3 Prozent der Nennungen ein vergleichbarer Stellenwert wie der Innovations-Checkliste zukommt. Auch S-Kurve, Operator MZK und Zwerge-Modell werden überraschenderweise bessere Einsatzmöglichkeiten eingeräumt. Der höchste Bedeutungsverlust bei einer Anwendung außerhalb der Technik ist erwartungsgemäß für die Effekte-Sammlung zu verzeichnen.

Abb. 3:

Bedeutung der TRIZ-Werkzeuge in der Praxis


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Dr. Carsten Gundlach

Dr.-Ing. Carsten Gundlach war von 2004 bis Mitte 2009 als Technologietransferberater im Rahmen des TechnologieTransferNetzwerk Hessen (TTN Hessen) und zudem für die Innovationsberatung der hessischen IHKs tätig. Zuvor war er von 1998 bis 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel und promovierte dort zum Thema statistische Versuchsplanung (Design of Experiments). Er ist Vorstandsmitglied des Europäischen TRIZ-Centrums e.V., Boardmember von ETRIA (European TRIZ Association), Mitglied im QFD Institut Deutschland e.V., Gründer der Website TRIZ-online und Vorstandsmitglied im IDWI (Innovationsvereinigung für die Deutsche Wirtschaft). Weiterhin ist er Herausgeber der Bücher Innovation mit TRIZ, Praxishandbuch Six Sigma sowie Organisator zahlreicher Fachkongresse zu TRIZ, QFD, DoE und Innovationsmanagement. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Innovationsmanagement, TRIZ, kreatives Problemlösen und Quality Engineering Methoden. Aktuell arbeitet er als Innovationsmanager in einem technologieorientierten Unternehmen.
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Robert Ulbricht

Dipl.-Wirtsch.-Inf. Robert Ulbricht, geb. 1977, Studium der Wirtschaftsinformatik an der TU Dresden von 1996 bis 2002, Untersuchung der Einsatzmöglichkeiten von TRIZ zur Unterstützung von Innovationsprozessen in Dienstleistungsunternehmen im Rahmen der Diplomarbeit. Seit 2003 ist Herr Ulbricht als Berater und Projektleiter bei einem Softwarehersteller tätig.
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