Die Abzocke mit den ETF-Dachfonds

ETFs sind eine tolle Sache – aber der Boom der börsengehandelten Indexfonds bringt auch einige unschöne Entwicklungen mit sich. Zum Beispiel ETF-Dachfonds. Das sind Fonds, die in ETFs investieren – und dabei vom hippen Günstig-Image der ETFs profitieren. Nur: Nicht jeder Fonds, der das Kürzel „ETF“ im Namen führt, ist günstig. Ganz im Gegenteil.

Beispiele gefällig? Gestern erst ist mir ein „sagenhaftes“ Angebot meiner eigenen Bank ins Auge gefallen. Cortal Consors wirbt gerade für den Parworld ETF Flexible Allocation (WKN A0PCQ1). Der ist kein ETF, auch wenn es der Name nahe legt – sondern ein Dachfonds, der in ETFs investiert. Er soll, so Cortal Consors, die Vorteile von aktivem und passivem Management verbinden.

Wie das gehen soll, ist mir ziemlich schleierhaft, schließlich beruht passives Investment zu einem großen Teil darauf, die Fehler aktiven Managements zu vermeiden – vor allem das Verursachen hoher Kosten durch häufige Käufe und Verkäufe und überzogene Managementgebühren.

Die „günstige Kostenstruktur“ des Parworld ETF Flexible Allocation

Cortal Consors bemüht sich denn auch nach Kräften, den Eindruck zu erwecken, als sei der Parworld ETF Flexible Allocation ein Billigheimer. Unter „Stärken & Vorteile“ wird unter anderem genannt: „günstige Kostenstruktur“.

Direkt der erste Punkt unter „Risiken, die mit der Investition in diesen Fonds verbunden sind, lautet allerdings: „Performance-Gebühr kann die Nettorendite mindern.“

Eine Performance Fee als Teil einer günstigen Kostenstruktur? Wie geht das zusammen? Und welches Kommunikationsgenie hat sich diese schwachsinnige Darstellung der Vor- und Nachteile ausgedacht?

Zusätzlich zur Performance Fee von 10 Prozent der über dem Drei-Monats-Euribor liegenden Rendite (mit High Watermark) verlangt der Fonds übrigens auch eine reguläre Verwaltungsgebühr von 1 Prozent pro Jahr. Die Gebühren für die Zielfonds, also die ETFs, in die der Fonds investiert, kommen noch oben drauf. Ein echtes Schnäppchen, oder? Immerhin fällt beim Kauf über Cortal Consors kein Ausgabeaufschlag an.

Noch unverschämter: der ETF Dachfonds P

Zur Ehrenrettung des Fonds und meiner Hausbank fällt mir da leider nur ein: Andere sind auch nicht besser. So hat die Fondsgesellschaft Veritas schon vor längerer Zeit den ETF Dachfonds P (WKN 556167) aufgelegt. Auch der will die Vorteile von Dachfonds (gibt es welche?) und ETFs verbinden. Auch er kommt immerhin ohne Ausgabeaufschlag aus. Und auch er ist schweineteuer. Zur Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent pro Jahr kommt noch eine Performance Fee von 15 Prozent der 5 Prozent pro Jahr übersteigenden Wertentwicklung. Und natürlich die Gebühren für die ETFs selbst. Kein Wunder, dass der Fonds dieses Jahr so weit hinter meinem passiven Portfolio zurückgeblieben ist. Aus irgendeinem Grund hat er es inzwischen trotzdem auf ein Fondsvolumen von 150 Mio. Euro gebracht. Die Dummen sterben eben nicht aus…

Auch unschön: die Fonds von Avana Invest

Als letzten, unbedingt nicht empfehlenswerten ETF-Dachfonds möchte ich den Avana Indextrend Europa Dynamik (WKN A0RHDB) vorstellen. Er will, ähnlich wie der Dachfonds P durch ein Trendfolgemodell Zusatzerträge generieren. Dafür lässt sich das Management fürstlich entlohnen: Neben einer Verwaltungsgebühr von 1,2 Prozent Jahr wird für die für Privatanleger gedachte Retail-Variante des Fonds auch eine Performance Fee von 5 Prozent auf jegliche positive Wertentwicklung (mit Wertaufholung) fällig. Ein Ausgabeaufschlag von 5 Prozent ist ebenfalls vorgesehen, und die Ziel-ETFs verzichten natürlich auch für Avana nicht auf Managementgebühren.

Wer – außer den Fondsgesellschaften – braucht also diese überteuerten Bauernfänger-Fonds?